Der Kardiovaskuläre Drift
Wenn dein Herz falsch liegt...


Was ist der Kardiovaskuläre Drift?
Um es ganz einfach zu sagen, der Kardiovaskuläre Drift, ist wenn deine Herzfrequenz nach oben steigt obwohl deine Trainingsintensität gleich bleibt.

Es ist bekannt, dass der Kardiovaskuläre Drift existiert, es konnte aber noch nicht genau herausgefunden werden, wann dieser in unserem Körper stattfindet, da dies eine sehr individuelle Sache ist und von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Wenn du mit deinem Training beginnst, wird deine Herzfrequenz ansteigen und schliesslich ein Plateau erreichen (auf der gleichen Anzahl Herzschläge pro Minute bleiben) solang sich die Trainingsintensität nicht verändert. Dies passiert nach ca. 1 bis 2 Minuten (oder später, da dies vom Alter des Athleten abhängt).

Der Kardiovaskuläre Drift kann jederzeit während eines deiner Trainings anfangen (er ist von vielen verschiedenen Variablen abhängig, wie zum Beispiel deinem Ruhepuls an diesem Tag, deiner Verdauung, wieviel du getrunken hast, etc.) solang dieses eine gleiche Intensität hat.

Gründe die zu einem Kardiovaskulären Drift führen können:

- Ansteigen deiner Körpertemperatur: Der Anstieg deiner Körpertemperatur und was dieser mit deiner Herzfrequenz macht, ist vergleichbar mit einem Lauftraining an einem heissen Tag. Deine Herzfrequenz steigt an.

- Schwitzen (ausgelöst durch das Erhöhen deiner Körpertemperatur, Aussentemperatur, etc.): Das Schwitzen führt dazu, dass du viel Körperflüssigkeit verlierst, welche wieder eingenommen werden muss, denn es wurde bewiesen, dass Dehydration für das Auslösen des Kardiovaskulären Drifts zuständig sein kann (http://jap.physiology.org/content/71/3/871.short).

- Wärme Aussentemperaturen: Führen dazu, dass du schon mit einer höheren Herzfrequenz in dein Training startest.

- Deine vorherigen Trainings: Können einen Einfluss auf deinen Müdigkeitslevel haben und demnach auch auf deine Herzfrequenz.

- Es gibt noch viele weitere Faktoren, die in der richtigen Kombination zum Kardiovaskulären Drift führen können.

"Konsequenzen" des Kardiovaskulären Drifts:

- "Nachfrage Wettbewerb": Eine weitere Ursache dieses Drifts entsteht, da dein Körper deine Körpertemperatur unter Kontrolle behalten will, erhöht er automatisch die Durchblutung der Haut aber gleichzeitig, benötigen deine arbeitenden Muskeln auch einen grossen Teil der Durchblutung. Dies kann zu einem "Nachfrage Wettbewerb" führen.

- Dein Körper verringert dann die Menge an Blut, welche durch dein Herz gepumpt wird. Aufgrund dessen, bleibt deine Sauerstoffaufnahme und die Blutmenge, welche während einer Minute vom Herz gepumpt wird gleich. Also ändert sich für dich eigentlich nichts, denn Dinge wie dein Atemrhythmus bleiben gleich, doch deine Herzfrequenz steigt.

- Missinterpretation der Herzfrequenz: es ist wichtig, dass du nie vergisst, dass deine Herzfrequenz Daten immer in Relation zu der gegebenen Situation interpretiert und analysiert werden müssen; ALLE Faktoren müssen in anbetracht gezogen werden

Verwechsle nicht die Verzögerung deiner Herzfrequenz mit dem Kardiovaskulären Drift
Der Kardiovaskuläre Drift ist eine Veränderung der Herzfrequenz, obwohl deine Trainingsintensität gleich bleibt, es ist aber nicht das Gleiche wie wenn deine Herzfrequenz deiner Leistung nur verzögert folgt. Dies bedeutet, dass wenn du ein Intervall Training hast, erhöhst du deine Intensität vielleicht von der Sekunde an, ab der dein Intervall anfängt aber deine Herzfrequenz wird erst ein wenig später in die Höhe steigen, da sie verzögert ist. Das gleiche passiert, wenn du Pause hast und deine Herzfrequenz wieder runter kommt... Diese Verzögerung ist aber nicht der Kardiovaskuläre Drift, welchen wir oben beschrieben haben. Diese Verzögerung passiert nur auf Grund davon, dass Herzfrequenz keine Messung für Kraft/ Arbeit ist aber die Reaktion des Körpers darauf zeigt. Sie ist deshalb sehr abhängig von versch. Faktoren wie zum Beispiel was du gegessen hast, wann du es gegessen hast, wie das Wetter ist, wie gestresst du bist, etc. Wenn du aber hingegen Watts benutzt um dein Training zu messen, dann kriegst du auch nur Watts, welche nicht von anderen Faktoren abhängig und variabel sind. Deshalb wäre dies eine genauere Art um dein Training zu dokumentieren. Über dieses Thema haben wir schon mal berichtet, wenn du also interessiert bist, klicke auf die folgenden Links: https://www.2peak.com/2peak/power_philosophy.php , https://www.2peak.com/archive/z5_training.php

Wieder zurück zum Kardiovaskulären Drift :-)

Der Kardiovaskuläre Drift, ein Athleten Beispiel


Jetzt, wo wir die Mechanismen des Körpers hinter des Kardiovaskulären Drifts verstanden haben, können wir uns ein Beispiel eines unserer 2PEAK Athleten anschauen. Das oben gezeigte Beispiel (eines Läufers) basiert zwar auf Geschwindigkeit und nicht Watt, aber da das Training auf einen ebenen Terrain stattgefunden hat, tut das nichts zur Sache. Die blaue Linie markiert die Geschwindigkeit, während die rote Linie, die Herzfrequenz zeigt. Die ersten zehn Minuten des Laufes, sind das Aufwärmen, die Geschwindigkeit und Herzfrequenz steigen. Wenn der erste Intervall beginnt, kann man sehen, wie die Geschwindigkeit sofort in die Höhe steigt, während die Herzfrequenz "langsam" folgt (das Gleiche passiert, wenn der Intervall fertig ist). Diesen Effekt haben wir schon einmal besprochen, als wir uns über die Pros und Contras des Trainings mit Herzfrequenz anstatt beispielsweise Watt (den Artikel kannst du hier nochmals lesen: https://www2peak.com/archive/whereIsMyInterval.php) unterhalten haben. Was hingegen sehr interessant ist, wenn man die Graphik genauer betrachtet ist, dass während die Intervallgeschwindigkeit jedes Mal ungefähr gleich bleibt, steigt die Herzfrequenz des Athleten, erreicht ein Plateau und steigt dann wieder nach ca. 10 Minuten an. Die Herzfrequenz steigt also, während die Trainingsintensität sich aber nicht verändert. Dieses Phänomen ist genau der Kardiovaskuläre Drift, über welchen wir vorher gesprochen haben. Nun haben wir gezeigt, dass es ihn im echten Training wirklich gibt.

Warum ist es so wichtig, dass man über den Kardiovaskulären Drift bescheid weiss?
Es gibt viele Missinterpretationen der Herzfrequenz (auch aber nicht nur) auf Grund des Kardiovaskulären Drifts, welche zu falschen Schlüssen/ Analysen führen können.

1. Die Tendenz zu wenig zu trainieren: zum Beispiel, wenn du mit einer Herzfrequenz von 140-150 Schläge pro Minute laufen sollst, wirst du am Anfang deines Trainings in dieser Zone sein aber nach einer gewissen Zeit, wird deine Herzfrequenz steigen und du wirst langsamer laufen, in der Hoffnung sie wieder nach unten zu bekommen. Diese Verlangsamung des Trainings, führt dazu, dass du bei einer falschen Geschwindigkeit/ Intensität trainierst. Die Geschwindigkeit stimmt nicht mit deinem Ermüdungslevel oder Leistung überein.

2. Trainieren um Gewicht zu verlieren: Viele Maschinen und online Rechner benutzen immer noch Herzfrequenz um die verbrannte Anzahl Kalorien zu kalkulieren. Demnach geht die Maschine davon aus, dass wenn deine Herzfrequenz steigt, du mehr Kalorien verbrennst, was aber beim Kardiovaskulären Drift nicht der Fall ist.

Gibt es etwas, was man dagegen unternehmen kann?
Theoretisch gesehen, ist der Kardiovaskuläre Drift nichts Schlimmes, was weh tut. Er passiert nun mal einfach und sollte aber mit in Anbetracht gezogen werden, wenn man trainiert/ seine Trainings analysiert. Vorallem wenn du mit Herzfrequenz trainierst und deine Trainings dir mit Herzfrequenz vorgegeben werden, kann der Kardiovaskuläre Drift und seine Nebeneffekte ein bisschen nervig und irreführend sein. Es gibt nicht wirklich viel, was du dagegen tun kannst. Eine Option wäre es, vorallem wenn du drinnen trainierst, zu probieren deinen Körper "zu kühlen", mit einem Ventilator zum Beispiel, damit deine Körpertemperatur nicht zu schnell steigt. Eine zweite Massnahme wäre, dass du gut darauf achtest genug zu trinken und hydriert zu bleiben, somit kannst du den Kardiovaskulären Drift verringern(http://jap.physiology.org/content/71/3/871.short). Wenn du willst, dass dein Training genauer wird, solltest du dir überlegen zum Training mit Watts umzusteigen (wie wir schon in früheren Artikeln berichtet haben, gibt es Trainingsgeräte, die dies auch für Läufer, nicht nur Fahrradfahrer möglich machen).

Der Hauptpunkt ist, dass wir nur einen limitierten Einfluss auf das Phänomen des Kardiovaskulären Drifts haben also müssen wir einfach "mit einkalkulieren", dass es ihn gibt und seinen Einfluss auf unser Training so gut wie möglich abkoppeln, indem wir mit objektiveren Parametern, wie Kraft (für Fahrradfahrer und auch Läufer) oder Geschwindigkeit auf einem flachen Terrain für Läufer arbeiten. Mehr zu diesem Thema findest du hier: https://2peak.com/2peak/power_philosophy.php Und nicht vergessen, wir subventionieren ausgewählte power Sensoren und weitere Trainingsinstrumente, wenn du sie zusammen mit deinem nächsten Trainingsplan Kauf verbindest. https://2peak.com/2peak_shop/index.php?cat=15

HAPPY TRAINING!!!



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